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Erfurt

Dienstag 21. Mai 2019 - 2. Reisetag

Nach einer schlaflosen Nacht (bei Stark- und Dauerregen hört es sich in unserem Wohnwagen wie unter Beschuss an!) fuhren wir ereignislos zu unserem nächsten Stopp - der Thüringer Hauptstadt Erfurt. 

 

Als wir am späteren Nachmittag auf unserem ausgewählten Campingplatz etwas ausserhalb der Stadt ankamen, waren wir positiv überrascht von unserem Plätzchen.  Dieser Camping ist um einiges grösser als der erste, ist professionell geführt, hat sehr schöne und gepflegte sanitäre Anlagen, liegt am Waldrand und an einem wunderschönen idyllischen Stausee. Wow - da gefällt es uns trotz Regen! 

 

Wie schon beim Auf- und Abbau in Nürnberg, nisteten wir uns auch in Erfurt auf dem Camping bei leichtem Regen ein. Übung macht ja bekanntlich den Meister und so waren wir um einiges schneller als noch beim ersten Mal. Interessanterweise hat jeder schon seine Aufgaben gefunden und so funktionierte der Aufbau ohne grosse Absprache einwandfrei. 

 

Da die letzte Nacht nur wenig Schlaf hergab, kuschelten wir uns schon zeitig ein, mit der Hoffnung diese Nacht etwas mehr Schlaf zu bekommen. Tja, da hatten wir die Rechnung wohl ohne den starken und sehr unregelmässigen Wind gemacht...

Immerhin hielt unsere Sonnen- (in den letzten Tagen wohl eher Regen-) store dank Ursi`s Windsicherung dem Wetter stand. 

 

 

Meli`s Survival-Tipp Nr. 1:

  • Übernachten im Wohnwagen bei Wind und Regen:  Forme Ohropax aus Nastücher!

Meli`s Survival-Tipp Nr. 2:

  • Ist der Wohnwagen für den Abwasser-Kanister zu niedrig: Konstruiere eine Abwasser-Ziehleine mit Hilfe von Schnur & Hering! 

Donnerstag, 23. Mai 2019 - Erfurt rockt

Endlich kam die Sonne raus! Dies nutzen wir natürlich aus und fuhren in die Stadt. Wir sind vom unkomplizierten ÖV-Netz in Erfurt total begeistert. Obwohl wir ca. 12 km von der Stadt entfernt campieren, sind wir in gut 30 Minuten in der Stadt: 10 Minuten mit dem Auto zu einem P&R (die es in Erfurt an fast allen Haltestellen ausserhalb der Stadt gratis gibt!), von da zum Tramticket-Schalter, den Schalter mit unserem Münz füttern (ja, man könnte meinen, dass wir unser Geld mit Strassenmusik verdienen, so viel Kleingeld haben wir ;-) ) und ins Tram hüpfen, welches im 10 Minutentakt abfährt. Endlich können wir während der ÖV-Fahrt mit unserem Leiterwagen auch die Sitzgelegenheiten nutzen und die 20 Minuten Fahrt bis in die Innenstadt geniessen.

 

In Erfurt angekommen waren wir vom Charme der Stadt überwältigt. Erfurt fühlt sich überhaupt nicht wie eine grosse Stadt an, sondern eher wie ein kleines Städtchen. Dazu trägt auch Flüsschen Gera bei, welche quer durch die Stadt fliesst und auf welcher die Krämerbrücke steht - die einzige bewohnte Brücke nördlich der Alpen und die längste durchgehend mit Häusern bebaute Brücke Europas. Und natürlich die bekannten Riegelhäuschen (in Deutschland Fachwerkhaus)!

In den verwinkelten, kleinen Gässchen und Strässchen in der Erfurter Fussgängerzone hatten wir auch schnell unsere Wohlfühloasen gefunden, an denen wir unsere Strassenmusik-Spielplätze aufbauten. Schliesslich haben wir einiges in Nürnberg auf der Strasse gelernt: Einen Ort wählen mit vielen, wenn möglich nicht gestressten Passanten. Windsicher soll die Strassen-Bühne zudem sein! 

 

Wow, Erfurt schlug ein wie eine Bombe! Nach kurzer Spielzeit hatten wir einen guten Bazen beisammen, 3 CDs verkauft (da Erfurt keine Regeln bezüglich Strassenmusik hat, nutzen wir auch diese Gelegenheit) und bereits ein paar nette Bekanntschaften gemacht. Eine herzliche Passantin bot uns sogar einen Schlafplatz in ihrem Gemeinschaftshaus an! Dieselbe Frau war von unserem Projekt so begeistert, dass sie nach einem Kaffee in der Nähe unseres Spielplatzes noch einmal bei uns vorbei kam und uns mitteilte, dass sie soeben mit ihrer Kollegin beschlossen hat, auch einmal mit Gitarre und Trommel auf die Strasse zu gehen. Ach wie toll, wir konnten sogar jemandem für's Strassenmusik machen motivieren! 

 

Nur einmal verschätzten wir uns total! Wir spielten an einem zwar wunderschönen Plätzchen auf der Rathausbrücke, der die Passanten aber aus irgend einem Grund überhaupt nicht zum Anhalten und Zuhören motivierte. So viel hatten wir aber aus unseren ersten Erfahrungen in Erfurt gelernt, dass wir unser Set somit nicht zu Ende spielten, sondern nach ein paar wenigen Songs abbrachen und unseren Standort wieder wechselten. Unsere Stimmen müssen ja auch etwas geschont werden! ;-)

 

Trotzdem machten wir uns mit einem überwältigenden Gefühl auf den Heimweg. Schliesslich waren wir jetzt schon in vielen Hinsichten von dieser wunderschönen Stadt positiv überrascht worden.

 

Auf dem Camping angekommen gönnten wir uns dann eine kurze Auszeit in der Natur beim Joggen bzw. auf dem Velo durch den angrenzenden Wald.

Danach bereitete Ursi ein spitzenmässiges Abendmahl auf dem Grill zu, während Meli sich dekomässig mit den Mitbringseln aus dem Wald ihrer Kreativität hingab. 

So hatten wir einen gut gefüllten Magen und ab sofort auch eine Tannzapfendeko und ein paar Blumen auf dem Tisch. 

Freitag 24. Mai 2019 - Wäschetaaaaaaaaaaaag!

Wie war dies noch einmal mit dem Waschtag vor 100 Jahren?! Wir wollten mit unserer Reise ja etwas zurück zu unseren Wurzeln finden. Anscheinend hat das Schicksal uns da etwas falsch verstanden und uns etwas weiter zurück geschickt als wir eigentlich wollten! Aus etwas Wäsche waschen wurde nämlich ein ganzer Wäschetag, fast wie zu Urgrossmutters Zeiten... 

 

Eigentlich war heute die Idee, unseren "Weekend-Tag" zu machen und nebenbei noch etwas Wäsche zu waschen. Tja, so der Ursprungsplan...

Der Camping hat ein Kartensystem, bei dem Geld aufgeladen werden kann und danach sollte mit ein und derselben Karte unkompliziert geduscht, Wäsche gewaschen oder gekocht werden können. Moderne Technik ist immer gut - sofern sie auch funktioniert!

Als wir am Morgen unsere Wäsche waschen wollten, leuchteten die Kontrollampen bei Waschmaschine und Tumbler immer noch rot auf. Nach kurzem Nachfragen an der Rezeption wurde uns mitgeteilt, dass dies bedeutet, dass jemand vor uns gewaschen hat und somit noch Reststrom für uns zur Verfügung steht. Jedoch hat man jeweils nur für ca. 2 Stunden Strom, wenn die Waschmaschine, bzw. der Tumbler aktiviert wird. Da wir annahmen, dass eine Wäsche sicher eine Stunde läuft, wollten wir das Risiko nicht eingehen, den Reststrom gratis zu verwenden und dann im schlimmsten Falle in Mitten unseres Waschganges keinen Strom mehr zu bekommen. Also warteten wir ab, bis die Waschmaschine wieder freigeben wurde (leider kann dies nicht manuell verkürzt werden / abgebrochen werden!). Sprich, wir warteten mit einem Buch vor der Wäscherei, anstelle einen Ausflug mit dem Velo zu machen. Nach gut einer Stunde erlosch die Lampe dann endlich! Also Wäsche rein und kurz zum Imbiss fahren (aus Zeit- und Hungergründen mit dem Auto, statt wie ursprünglich geplant mit dem Rad :-( ), um auch eine echte Thüringer Bratwurst getestet zu haben. Nach 1.75 h dann Wäsche raus und aufhängen. Da ja nun der Rest der Zeit gemäss Aussage der Rezeption nur noch knapp 15 Minuten wären, also warten, bis die Maschine wieder frei gegeben wird - damit auch die nächste Wäsche nicht mittendrin unterbrochen wird. Als nach bald einer Stunde die Maschine immer noch nicht freigeben wurde, marschierte Meli sauer zur Rezeption, wo leider niemand weiterhelfen konnte. Darauf wurde der Platzwart zur Wäscherei zitiert. Er erklärte dann etwas beschämt, dass er keine Ahnung habe, wie lange man eigentlich Strom zur Verfügung hat, wenn eine Maschine frei gegeben wird. Ausserdem kann er den Strom auch nicht abschalten, um so die Geräte wieder schneller frei zu geben. Ehm, wie war dies noch einmal mit der modernen Technik?! So meinte er dann etwas verzweifelt, dass wir doch die Wäsche jetzt trotzdem reinwerfen sollen und er diese dann nach 30 Minuten kontrollieren würde. Falls der Strom dann nicht mehr fliessen würde, wäre er bereit die Maschine wieder frei zu schalten und die Kosten zu übernehmen. So wir hatten immerhin noch die Möglichkeit am mittlerweile späten Nachmittag einen kurzen Ausflug mit dem Rad zu machen. Bevor wir jedoch losdüsten, blickten wir noch kurz bei der Wäscherei vorbei. Logisch, jetzt war die Reststromzeit abgelaufen und unsere Maschine lief bereits nach 10 Minuten waschen nicht mehr!  Wir entschlossen dann, das Angebot vom Platzwart anzunehmen, überliessen die Wäsche einfach ihm und radelten davon...

 

Unser Velotourziel war der Limonaden-Pavillon auf dem Freilichtmuseumsgelände von Hohenfelden. Wir wurden auf unserem Camping mit einem Gutschein-Heftchen ausgestattet und da bekommt man beim Kauf von einem Stück Kuchen ein Gratis-Kaffee dazu serviert. Dies liessen wir uns natürlich nicht nehmen! Ja die Deutsche Schnäppchenjäger-Mentalität hat uns wohl schon voll im Griff - schliesslich waren wir am Montag auch schon gratis am Wellnessen.... ;-)

 

Der Wäschetag nahm nach gefühlten 8 Stunden dann doch noch ein gutes Ende. Als wir von unserem Velotürli zurück kamen, lief unsere Wäsche mit dem letzten Schwung der Maschine. Der nette Platzwart hat also Wort gehalten! Und übrigens: Strom hat man beim aktivieren der Geräte für ca. 4 Stunden!

 

Ach genau, der Abwassertank musste heute auch noch geleert werden. Die Ziehleine hat sich bewährt und der Abflusstank konnte ohne Komplikationen unter dem Wohnwagen hervorgezogen werden. Der Tag konnte doch noch positiv abgeschlossen werden!  

Samstag 25. Mai 2019 - Konkurrenzkampf!

Nach dem erfolgreichen Donnerstag freuten wir uns heute enorm auf unseren zweiten Spieltag in der Stadt. 

Das Wetter war wiederum angenehm sonnig und so zog es auch heute wieder extrem viele Leute auf die Strasse. 

Wir spielten wieder auf der Krämerbrücke, gegenüber der Werkstatt von "Meister Eder" - dem Puppenmacher aus Erfurt. Wir fühlen uns hier besonders wohl in dieser wunderbaren kleinen Gasse. Die Akustik ist extrem gut und es hat unglaublich viele Touristen aber auch Einheimische. Was sich ausserdem als positiver Aspekt herausstellte ist das "Theatrum Mundi", welches die Passanten beim Werkstatt-Schaufenster des Puppenmannes zum Anhalten verleitete. Schneewittchen und die sieben Zerge erwachen zum Leben, sobald hier Münzgeld in den Schlitz geworfen wird. Und wenn der Geldbeutel schon einmal geöffnet ist und beim Stehen vor dem Schaufenster noch unsere Musik gehört wird, zeichnete sich dies zu unserem Vorteil ab!  

 

So schön es hier auch zum Musizieren ist, einige Fliegen waren bei diesem schöne Frühlingswetter so aufdringlich, dass es das eine oder andere Mal zum ungewollten Song-Stopp kam. :-P

 

Und wie war dies noch einmal mit diesen Regeln? Ah ja, hier gibt es ja gar keine! So musste Ursi einmal einen aufdringlichen Akkordeonspieler wegscheuchen, der mitten während unserem Musizieren keine 50 Meter von uns entfernt einfach lautstark zu spielen begann...

Allgemein ist hier in Erfurt die Konkurrenz grösser und man muss sich seinen Platz mehr erkämpfen - und man kann auch nicht darauf zählen, dass der "Vorgänger" nach einer bestimmten Zeit seinen Platz räumen und weiterziehen muss, so dass man auch noch am "Lieblingsplatz" spielen kann. Die Regeln in anderen Städten haben also durchaus auch Vorteile...

 

Mittlerweile haben sich in vielen Hinsichten unsere Abläufe routiniert und verbessert. Sogar der Leiterwagen wurde bergsicher gemacht. Danke Claude für deine Fahrschultipps und -tricks ;-).

 

Auf dem Nachhauseweg machten wir noch einen lohnenden Abstecher zum Bock-Windrad von Klettbach. Herrlich, diese Aussicht und wiederum fühlte es sich an, als wären wir in einer Zeitmaschine - heute jedoch im positiven Sinne!


Ach, und übrigens, Erfurt ist die KiKA-Stadt. Denn die Thüringer Hauptstadt ist der Kindermedienstandort, in welcher der Fernsehsender KiKA produziert wird. Auf Grund des zehnjährigen Jubiläums des Kinderkanals wurden in der City bekannte Figuren aus dem Bereich Kindermedien aufgestellt und dienen heute vorwiegend als lustiges Fotomotiv. 

 

Sogar unser Leiterwagen bekam in dieser Stadt ein Kompliment: Eine Dame sprach uns an, welche in den letzten Tagen anscheinend gerade eine Werbung ins Haus bekam, bei welcher genau unser Pollerwagen angeboten wurde. So ist sie natürlich davon ausgegangen, dass wir diesen Aktionswagen gekauft hätten und wollte das gute Stück auf seine Qualität prüfen! Optisch bekam er die volle Punktzahl ;-).

 

Wir sind immer davon ausgegangen, dass es in Rom die meisten Gelaterias und somit auch das beste Eis gibt. Wir glauben jedoch mittlerweile, dass wir da total falsch lagen! Erfurt ist das neue Rom mit einer Gelateria an jeder Ecke, und hat definitiv 5 Sterne für das leckerste Glace der Welt verdient! 

 

Insgesamt konnten wir auch mit mehr Leuten in Kontakt kommen als in Nürnberg - die Begegnungen waren dafür auch etwas weniger intensiv. Überrascht hat uns auch, wie viele positive Komplimente wir bekamen und wie viele Leute stehen geblieben sind, um unser Plakat zu lesen. Die Leute hier waren grundsätzlich aufgestellter und freundlicher, ruhiger und brachten viel mehr Zeit zum Schlendern und Geniessen mit als in Nürnberg! Vielleicht lag es aber auch am schöneren Wetter...

 

Erfurt, DANKE für die vielen positiven Überraschungen! 

In diesem Sinne klopfen wir einmal auf den Tisch (dies wird hier wie wir erfahren haben als Brauch zur Begrüssung & Verabschiedung in einer Gaststätte gemacht :-) ) und kommen gerne wieder!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Stef (Dienstag, 28 Mai 2019 10:12)

    n diesem Sinne klopfen wir einmal auf den Tisch (dies wird hier wie wir erfahren haben als Brauch zur Begrüssung & Verabschiedung in einer Gaststätte gemacht :-) ) und kommen gerne wieder!

    Das mit dem Tisch klopfen kommt mir bekannt vor, ich glaube ich habe Deutsche in meiner Verwandschaft ;-).
    Viel Spass.