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Berlin

Dienstag 28. Mai 2019 - nächstes Ankommen und Einrichten

Wieder eine Station weiter - und so langsam beginnt sich doch auch der langersehnte Sommer zu melden! 

Richtig angenehm, wenn man es sich in der Nacht nicht mehr 3x überlegen muss, ob man sich wirklich unter der warmen Bettdecke hervor schälen und in die Kälte wagen will, um auf's Klo zu gehen... nur blöd, dass ausgerechnet jetzt auf dem Campingplatz die Temperaturregelung der Damenduschen kaputt ist und nur noch "süttig" heisses Wasser aus der Dusche kommt! Da fühlt man sich doch nach dem Duschen wie eine "geschwellte Kartoffel"! Zum Glück ist der Service hier richtig toll - am Abend gemeldet, ist die Regelung am nächsten Tag schon tiptop repariert und es kann auch wieder schön erfrischend geduscht werden.

 

Eigentlich ist der Campingplatz genau nach unseren Vorstellungen: Nahe am Wasser, direkt am wunderschönen Saatwinkler Damm, welcher direkt in den Tegeler See führt. Hier wird Meli wohl endlich ihre langersehnte Stand-Up-Paddel (SUP)-Saison eröffnen - das Wetter soll auch richtig schön heiss werden am kommenden Wochenende! Zudem ist der Camping gut erschlossen bezüglich ÖV-Netz und umgeben von Bäumen. Tja, wenn da nur der Fluglärm nicht wäre! Da in unmittelbarer Nähe der Flughafen Tegel liegt, täuscht die Idylle auf den ersten Blick. Bei diesem häufigen Flugverkehr nützen nicht einmal die Ohropax etwas gegen diesen Meis! Zum Glück konnte auch Meli nach der zweiten Nacht den Fluglärm ignorieren und somit steht einer erholsamen Nacht nichts mehr im Wege...

 

Inzwischen hat es sich eingependelt, dass wir jeweils den ersten Tag nach unserer Ankunft am neuen Ort nutzen, um uns in der Stadt etwas zurechtzufinden, Besorgungen zu erledigen, Lebensmittel aufzustocken, die ÖV-Verbindungen auschecken, das ÖV-Ticket besorgen usw.

In Berlin gibt es bei Meli auch noch eine neue Anschaffung der besonderen Art: ein Tattoo in Form einer Feder, über das schon länger nachgedacht wurde. Nachdem ein Tattoo-Studio gefunden wurde, welches einen qualitativ guten Eindruck macht, war sogar gleich an diesem Nachmittag noch ein Termin frei. Perfekt, die Chance wird genutzt und keine zwei Stunden später ziert eine wunderschöne, bleibende Erinnerung Meli's Unterarm! Das Feder-Tattoo symbolisiert übrigens einen Teil unseres Projektes. Die Feder steht für Freiheit, Leichtigkeit, Hochsensibiltät und Kreativität. Bei den Prä-Indianern steht eine Feder übrigens für Stärke, Tapferkeit und Mut. Tataaaa, dies passt doch auch wunderbar zu unserem Vorhaben ;-).

 

Am Ende des Tages sind auch die Lebensmittel wieder aufgestockt und das Strassenmusik-Kässeli leer - Zeit, wieder Geld einzuspielen, damit's weiterhin was Leckeres auf den Tisch gibt! ;-)

Mittwoch 29. Mai 2019 - Veloerkundungstour

Da Berlin um einiges grösser ist als die beiden letzten besuchten Städte braucht es auch etwas mehr Zeit für das Rekognoszieren. Wir haben für den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf die Berechtigung straffrei auf der Strasse zu musizieren. Eigentlich ist ja der Bezirk "Mitte" die Hochburg für die Strassenmusik in Berlin. Nur, ist es da etwas komplizierter mit der Bewilligung und die Konkurrenz auch dementsprechend höher. (Ja, Deutschland ist mindestens so kompliziert mit Paragraphen wie die Schweiz... hier in Berlin hat sogar jeder Bezirk eigene Regelungen bezüglich Strassenmusik-Erlaubnis!)

 

Da Melis Stimme immer noch etwas angeschlagen ist und in der Nacht mit Halsschmerzen heimgesucht wurde, eignet sich dieses Alternativprogramm optimal.

Das Wetter ist heute sonnig warm und da wir mit den Rädern um einiges schneller als mit dem ÖV in unserem Strassenmusik-Bezirk sind, begeben wir uns direkt nach dem Frühstück auf unseren Drahtesel. So steuerten wir als möglichen Spielplatz das Schloss Charlottenburg an. Dieser Standort könnte ideal sein, da es sehr viele Touristen vor Ort hat, welche in Scharen zur Sehenswürdigkeit laufen. Er kommt also sicher auf unsere Einsatzliste. Als zweiter möglicher Standort fuhren wir in die Wilmersdorfer-Strasse. Sie ist die älteste Fussgängerzone von Berlin und dient heute noch als Einkaufsstrasse. Somit kommt auch dieser Ort auf unsere Liste. 

Unser nächstes in der Nähe liegendes Ziel ist das Olympiastadion. Da ist jedoch schnell klar, dass dieser Ort nicht unseren Spiel-Kriterien entspricht. Hier laufen viel zu wenig Passanten zu, damit es für uns lukrativ wäre. 

So radeln wir halt hinter das Olympiastadion, wo sich die Waldbühne befindet und wo wir vor haben, am Samstag vor dem Kelly Family-Konzert die wartenden Fans vor der Waldbühne musikalisch zu unterhalten. Wir konnten beim Auskundschaften bereits einen kurzen Blick in die Waldbühne werfen, da das Tor wegen Aufbauarbeiten offen war: Wow, was für ein idyllischer und somit auch einzigartiger Ort um ein Open Air Konzert zu geben, bzw. besuchen zu dürfen! Die Bühne steht, wie es der Name schon sagt, im Wald und ist grösstenteils von Bäumen umgeben. Die Vorfreude für den kommenden Samstag ist riesig, da wir nach unsere Arbeit auf der Strasse selbstverständlich auch das Konzert besuchen werden ;-). 

Auf dem Nachhauseweg fuhren wir über den Bezirk Spandau und machten noch einen kurzen Kaffee-Stopp in der Altstadt von Spandau. Herrlich, die vielen und  sehr unterschiedlichen Aussenbezirke von Berlin kennen zu lernen!

 

Wir hatten uns ja schon bei unserer Ankunft gewundert, dass ausnahmslos alle Camper auf dem Platz ihre Fahrräder dabei haben - auf unserer Erkundungs-Tour wurde uns nun klar, wieso! Berlin ist unglaublich toll ausgerüstet mit Radwegen und auch die Autofahrer nehmen Rücksicht auf die Velofahrer. Eine gute Federung am Rad ist jedoch hilfreich, da viele Radwege aus Pflastersteinen oder Platten bestehen. :-P 

Donnerstag 30. Mai 2019 - Auffahrt: Wegen Feiertag geschlossen

Irgendwann musste es ja kommen, dass auch wir trotz vorgängiger Regel-Abklärungen an allen Spielorten irgendwo doch ins Fettnäpfchen treten! Wir hatten unsere geplanten Spieldaten im Voraus dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf kommuniziert, inkl. der Anfrage nach einer nötigen Bewilligung, da wir sowohl auf der Bezirks- als auch der allgemeinen Berliner Homepage im Gegensatz zu allen anderen Städten keine spezifischen Regeln für Strassenmusik gefunden hatten. Wir erhielten die Information, dass keine Bewilligung nötig sei und den Hinweis, dass wir keine Aufbauten erstellen und keine Verstärker einsetzen dürfen. Soweit, so gut, sollte also passen! Tja, anscheinend ist es in Berlin aber so, dass an Sonn- und Feiertagen das Spielen auf der Strasse verboten ist! Da diese Regel doch massiv von den anderen Städten abweicht, wäre dieser Hinweis von der Behörde noch wertvoll gewesen... so kam es, dass wir uns nichtsahnend am Auffahrtstag am zuvor ausgewählten Platz in der Fussgängerzone der Wilmensdorferstrasse platzierten und zu spielen begannen. Gerade mal 3 Song-Längen dauerte es, bis ein empörter Nachbar aus einem Gebäude gestürmt kam, uns beschimpfte und mit der Polizei drohte wegen unserer Sonntags-Ruhestörung! Tja, wir bekamen wohl die ganze Wut ab, welche sich bei ihm in den letzten Jahren bezüglich "Ostmafia-Strassenmusikern"angestaut hatte! Mit der Zeit liess er sich etwas beruhigen, nachdem er merkte dass wir alles andere als uneinsichtig sind und von dieser Regel einfach absolut noch nie etwas gehört hatten. Er erklärte uns die Lage im Bezirk diesbezüglich dann ausführlich von der Erde bis zum Mond und wieder zurück... 

Immerhin konnte so Meli's Stimme, die nach der Erkältung immer noch etwas angeschlagen war, unfreiwillig doch noch etwas weitergeschont werden. :-P

 

So nutzten wir den angebrochenen Tag für einen Abstecher zum Ostbahnhof, um von da zu Fuss zur "East Side Gallery" zu gehen. Dies ist der bekannteste Teil der noch bestehenden Abschnitte der Berliner Mauer. Phu, da steht man nun vor dieser Mauer und fragt sich: Wie kommt man bloss auf die Idee, mitten durch eine Stadt eine Mauer zu ziehen? Naja, viel hat die Menschheit ja nicht gelernt, denn in Übersee mauert ja jetzt ein anderer Globi weiter...

Danach ging es weiter in den Alternativ- und Künstler-Bezirk Kreuzberg. Obwohl wir aus Zeitgründen leider nur einen kurzen Einblick in dieses spannende Viertel erhaschen konnten, hinterliess es einige Spuren bei uns. Auf dem Weg Richtung Bethanien kamen wir an der St. Thomas Kirche vorbei. Rund um die Kirche verteilt haben sich die Obdachlosen ihre Zelte aufgestellt, um hier zu nächtigen. Gleich nebenan hat wohl die Stadt Berlin den Obdachlosen einen begrenzten Platz zur Verfügung gestellt. Darauf sahen wir die kreativsten Bauten aus Schrottmaterialien, welche zu einer eindrücklichen Penner-Stätte geworden ist. 

In Bethanien angekommen, hatten wir wohl eines der Goldstücke in diesem Bezirk gefunden: Das Café-Restaurant "3 Schwestern", welches sich in einem ehemaligen Stifts-Krankenhaus befindet. Wir hatten auf dem Camping in Nürnberg von einer Schweizerin diesen Insidertipp erhalten. So genossen wir den späten Nachmittag dort mit einem super leckeren Kaffee und hausgemachten Kuchen nach Grossmutter's Art! Absolut empfehlenswert, dieses Café, sowohl kulinarisch als auch das Ambiente!

 

So wurde aus diesem zuerst erfolglosen Tag doch noch ein sehr beeindruckender und mehrheitlich positiver Tag!

Samstag 01. Juni 2019 - Stimmung machen vor dem Kelly Konzert

Heute ist endlich der grosse Tag gekommen, auf den wir uns schon vor dem Start unserer Reise freuten: Konzert der Kelly Family auf der Waldbühne in Berlin! 

Eine bessere "Bühne" für unsere Musik als Kelly Family Fans konnten wir uns fast nicht vorstellen - anders als beim Luke Mockridge Publikum müsste bei diesen Leuten unser Musikstil zum Anhalten motivieren. Erst recht wenn sie die die handvoll ausgewählten Kelly Family Songs, welche wir in unserer Playlist haben, zu Ohren bekommen!

Nach dem Mittag machten wir uns gespannt mit unserem LandCruiser auf den Weg Richtung Waldbühne. Unser frühes Anreisen, primär ja wegen unserem Musikprojekt, lohnte sich zumindest in einer Sache: Wir konnten uns einen kostenfreien Parkplatz nur ca. 5 Minuten Fussweg von der Waldbühne entfernt ergattern. Gleich neben unserem Parkplatz fand interessanterweise auch noch eine Springsport-Veranstaltung statt, was sich im Laufe des Nachmittags auch noch als äusserst wertvolle Zeitvertreibungs-Alternative erwies...

Aber alles der Reihe nach: Zuerst packten wir jedoch mal unseren Leiterwagen und machten uns auf den Weg zum Eingang der Waldbühne. Hmm, irgendwie haben wir uns das anders vorgestellt! Es waren zwar schon einige Leute vor Ort, diese sassen aber wie in alten Zeiten in Reih und Glied bei den drei Eingängen auf dem Gehsteig, um einen Platz möglichst nahe an der Bühne zu ergattern! Um diese aktuelle Pole-Position ja nicht zu verlieren, bewegten sich die eingefleischten Fans keinen Millimeter weg von ihrem Platz. Das Höchste der Gefühle war ein kurzer Klo-Gang, ein Getränke-  oder Glacenkauf beim Glockenturm oder ein kurzes Nachrücken in den Schatten. Das Wetter war nämlich sauheiss! Dazu kam, dass die Atmosphäre unter den Hardcore-Fans sehr angespannt und aufgeheizt war durch eine Frauengruppe, welche überall Unruhe versuchte zu stiften. Wir setzten uns für eine Weile auf's gegenüberliegende Trottoir, beobachteten die Lage und schätzen die Situation für einen möglichen erfolgreichen "Auftritt" ab. Wir kamen dann zum Entschluss, dass es aus den Oben genannten Gründen absolut sinnlos wäre und da es auf diesem Areal auch nicht gross "Laufkundschaft" gab, das Projekt für den Moment auf Eis (ehhh Wasser, denn das Eis schmolz bei diesen Temperaturen ja förmlich dahin;-)) zu legen. 

Wir entschieden uns also in der Zwischenzeit das Reitturnier anzusehen. Lohnenswert war dies nur schon deshalb, weil es dort einen leckeren Kaffee und hausgemachtes Eis gab. Zusätzlich profitieren wir von einem sauberes Gratis-WC!:-)

1 h vor dem Einlass machten wir uns dann nochmals auf den Weg, die aktuelle Situation bei der Waldbühne abzuchecken. Und siehe da, diese hatte sich gewaltig verändert! Aus der Richtung, in der wir auch unser Auto geparkt hatten, strömten die Menschen aus allen Seitenstrassen in Massen zum Eingang und die Atmosphäre war auf einmal sehr fröhlich. Also packten wir kurzentschlossen unseren Leiterwagen doch nochmals aus dem Auto aus, stellten uns auf den Gehsteig und spielten für die Kelly Fans. Und so lief es schlussendlich doch noch so, wie wir uns das vorgestellt hatten: Einige Fans freuten sich über die Unterhaltung, blieben für ein paar Songs stehen, spendeten etwas ins Kässeli, nahmen Visitenkärtli mit oder fotografierten unser Plakat, und jemand fragte sogar nach einer CD und kaufte diese dann auch. So ging unsere Grundidee also mit etwas Flexibilität und Geduld doch noch auf. So toll, jetzt waren wir auch richtig aufgewärmt, und wieder voller Vorfreude auf das Konzert!

 

Eine knappe halbe Stunde nach Einlassbeginn packten wir unsere Sachen dann wieder zusammen, schliesslich wollten wir auch noch rechtzeitig zum Konzert im Areal sein.  Und der knurrende Magen wollte auch noch gestillt werden! Da uns die langen Menschenschlangen vor den Essständen bei der Waldbühne jedoch bereits aufgefallen waren, beschlossen wir nochmals einen Abstecher zum Springturnier zu machen: Nochmals WC-Besuch ohne Schlange stehen und einen leckeren Lagos (griechische Spezialität aus frittiertem Teig, belegt ähnlich wie ein Flammkuchen - kannten wir bis dahin auch nicht!), den wir auf dem Weg zurück zur Waldbühne mampften. So standen wir dann rechtzeitig am Konzert bereit, mit vollem Magen, leerer Blase und einer ausgelassener Stimmung. Wow, war für ein unglaublicher Ort für ein Open Air Konzert! Wir genossen wie erhofft einen einmaligen, tollen, unterhaltsamen, berührenden und musikalischen Konzertabend mit der legendären Kelly Family. Toll, dass sich ein Teil der Familie noch einmal musikalisch gefunden hat und beschlossen hat, ein weiteres Kapitel dieser Musikfamilie zu schreiben. DANKE für diesen Moment!

 

Übrigens: So schnell waren wir noch nie von einem Konzert von dieser Grösse "zu Hause". Dank dem praktischen Parkplatz und unserem Camping in unmittelbarer Nähe.;-)

Montag 03. Juni 2019 - Besser spät als nie!

Motiviert nach dem Kelly Konzert und dem gestrigen freien Sonntag (an dem wir ja in Berlin wie wir nun wissen nicht spielen dürfen :-P) machten wir uns schon am Montagvormittag auf den Weg in den nördlichen Stadtteil "Alt-Tegel". 

Diesen Stadteil hatten wir am Freitag rein zufällig entdeckt. Alt-Tegel ist nur einige Busstationen von unserem Campingplatz entfernt und da es dort eine Markthalle gibt, fuhren wir am Freitag dorthin um frische Nahrungsmittel zu besorgen und zu einem Spaziergang am Seeufer. Die Fussgängerzone in Alt-Tegel hatte uns sofort gefallen und so beschlossen wir, einen spontanen "Bezirkswechsel" zu wagen.;-) Da wir leider auf unsere kurzfristige Anfrage vom Freitag beim Bezirksamt Reinickendorf noch keine Antwort erhalten hatten, fragte Meli spontan bei einer Curry-Bude vor Ort nach, ob hier denn Strassenmusik erlaubt sei (jaja, wir sind etwas vorsichtig geworden nach unserer letzten Erfahrung... :-/ ).

Nach einem Witz über den schweizerdeutschen Akzent, den der türkische Standbesitzer sofort erkannt hatte ("Was ist der Unterschied zwischen Türken und Schweizern? -> Türken können Deutsch sprechen!" ;-P ), die erfreuliche Nachricht: Strassenmusik ist erlaubt und der Platz auf dem wir uns befinden ist grundsätzlich auch sehr beliebt - auch für den Standbesitzer sogar eher erstaunlich, dass sonst noch niemand hier ist und spielt. Glück für uns, über das wir uns nicht beklagen wollen! Also los, nach idealem Platz Ausschau halten, Platz sichern, Aufstellen und ab geht es....

Und so haben wir an unserem zweitletzten Tag in Berlin doch noch unsere Spiel-Wohlfühloase gefunden! So lange gespielt und so viel verdient wie heute hatten wir auf unserer ganzen Tour noch nie - und das trotz brütender Hitze! Aber das Publikum war so dankbar und herzlich. Eine wahre Freude! Als wir unser letztes Set gegen Abend müde und total verschwitzt beendeten, um uns auf den Heimweg zu machen, meinte ein Passant: "Ach schade, dass ihr schon aufhört, war toll euch zuzuhören!"

Wir haben zu danken, Alt-Tegel, ein wunderbarer Strassenmusik-Tag war es heute!

 

Unser Fazit für alle, die es nach Berlin zieht: Alt-Tegel ist zwar nicht so bekannt, aber unserer Meinung nach unbedingt einen Abstecher wert! 

Dienstag 04. Juni 2019 - Berlin, wir erheben das Glas auf dich!

Von der gestrigen Erfolgswelle geprägt, zog es uns heute bereits wieder am Vormittag nach Alt-Tegel. Und oha, das Amt im Bezirk Reinickendorf ist zackig und so hatte Ursi morgens eine Antwortmail bezüglich Strassenmusik im Postfach: Wir lagen zum Glück richtig mit unserem Bauchgefühl und den getätigten Abklärungen bei der Currywurst-Bude! Auch in diesem Aussenbezirk braucht es keine Bewilligung. Die Regeln wurden hier ausserdem sehr vorbildlich mitgeliefert. Da es gestern über 32 Grad Celsius heiss war, haben wir sogar die Mittagsruhe ohne es zu Wissen korrekt eingehalten: Wir machten nämlich von 13.00 bis ca. 15.00 Uhr eine Siesta;-). Also planten wir diese auch heute mit ein, obwohl das Wetter um einiges angenehmer war. Zwar immer noch sonnig heiss, aber die Luft fühlte sich nicht mehr ganz so feucht an. 

Wir entschieden uns wieder für die selben Spielorte wie gestern - denn was sich bewährt soll man ja bekanntlich nicht ändern! Dies zahlte sich auch heute auf voller Linie aus. Wir kamen schon vor dem ersten Song mit einem älteren, netten und auch reiselustigen Ehepaar aus Berlin ins Gespräch, welche uns am Schluss noch Gottes Segen mit auf den Weg gaben. Super lieb! 

Eine andere Passantin meinte kurzerhand: "Ach so toll, genau auf diese Art habe ich auch angefangen Musik zu machen." Heute sei sie eine studierte Musikerin (Querflöte). Denn um ihr Studium zu finanzieren, hat sie sich auf diese Art etwas Geld dazu verdient. Sagte es, und leerte ohne zu zögern das ganze (gut gefüllte!) Münzfach ihres Portemonnaies in unseren Gittarenkoffer!

Eine Berlinerin, welche eine Weile vor uns auf einer Parkbank sass, meinte beim Aufstehen und Weggehen: "Ach wie wunderbar, ihr habt meine Pause versüsst!"

Und ein weiterer Eindruck von unserem heutigen Arbeitstag, von einem spendablen älteren Herrn, welcher uns einen 5 Euroschein in den Koffer legte: "Könnt ihr auch wechseln?" :-)

Ausserdem auffallend in Berlin Alt-Tegel: Sogar Primarschulkinder legen uns spendabel ihr Wechselgeld in den Koffer! 

 

Nach einem weiteren, berührenden und sehr eindrücklichen Tag auf der Strasse hat sich Meli eine Abkühlung auf dem SUP verdient und bei Dämmerung erheben wir unsere Gläser und stossen auf unsere unvergessliche Zeit in Berlin an! DANKE für diese abwechslungsreiche Zeit!


Übrigens: Eine unerwartete Gelegenheit hatte sich auf unserer Fahrt von Erfurt nach Berlin geboten, als wir auf einer Autobahnraststätte bei McDonald's einen Mittagsrast einlegten. Der Mitarbeiter an der Theke war richtig fasziniert als er unser Münz-Säckli sah, aus dem wir das Kleingeld für unser Mittagessen zählten! Er wollte unbedingt so viel wie möglich unseres Münzes wechseln, um selber wieder Kleingeld in der Tasche zu haben - da sagen wir doch nicht nein! Und so konnten wir ganze 40 Euro zu praktischeren Noten wechseln und beide Seiten waren glücklich - eine richtige Win-Win-Situation. :-)

 

Ah ja, und was man so alles entdeckt, wogegen man sich neben der Konkurrenz der Strassenkünstler auch noch behaupten muss: Strassenverkehr (allgemeines Gehupe), Ambulanz, Polizei, Feuerwehr, Militärhubschrauber, Baustellen, klappernder Getränketransport auf Palettenrolli, Glockengeläut, und vieles mehr!

 

Raus aus der Komfortzone heisst verständlicherweise auch, dass man plötzlich mit Unerwartetem konfrontiert wird! So werden wir angesprochen, ob unser Auftreten einen politischen Hintergrund hätte oder man versucht uns den göttlichen Weg näher zu bringen ;-).

 

Nach drei besuchten Städten haben wir ausserdem folgende neue "Fähigkeiten" entwickelt:

  • Mittlerweile können wir fehlerfrei spielen und uns gleichzeitig bei spendablen Passaten bedanken.
  • Ursi ist mittlerweile fähig sich mit Passanten zu unterhalten und gleichzeitig Geige zu spielen.
  • Meli kann die Songs auch langsam auswendig.
  • Wen der Eine seinen Einsatz verpasst gelingt es uns auch einfach weiter zu spielen, als wäre dies so geplant ;-).

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Kommentare: 1
  • #1

    Zita (Donnerstag, 20 Juni 2019 20:02)

    Erstaundlich dass du Punkt 2 vorher nicht könntest ich hätte viel gewettet du könntest spielen Hand stand machen und quasseln in einem.��Nicht böse gemeint finde es so toll was ihr da macht und sind so gut geschriebene Texte.
    Weiter so freue mich auf den nächsten Ort