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Sylt

Montag 24. Juni 2019 - da bleiben wir noch ein Weilchen!

Nach einer sehr kurzen Autofahrt sind wir am Montag von Niebüll mit dem Autozug rückwärts auf die friesische Insel Sylt gefahren. Wir waren beide noch nie mit einem Autozug auf Reisen und daher war es für uns eine neue interessante Erfahrung. Mitten durch das Wattenmeer zu düsen war schon sehr imposant. 

Ja, Google hat uns bezüglich dieser Reise bis jetzt nicht enttäuscht! Wir haben unsere Destinationen nämlich vorwiegend über die Google-Bilder ausgewählt ;-). So sind wir wohl am schönsten Campingplatz Deutschlands angelangt: Obwohl der Platz vollkommen ausgebucht ist, haben wir ein ruhiges Plätzchen (wir suchen zwar heute noch den Wald :-D) erhascht. Der Camping liegt direkt hinter den bekannten Sanddünen und dem wunderschönen Sandstrand. Wow - da muss man ja wirklich nicht weit weg reisen, um direkt ein Neuseeland-Déjà-Vue zu haben! Und welch interessante Formen hier die Muscheln haben - so was haben wir auch noch nie gesehen und vor allem nicht in Deutschland erwartet...

Damit nicht genug, das Wetter spielt bis jetzt einfach toll mit und so haben wir sogar auf dieser Insel, welche eher für ihr windiges und mildes Klima im Sommer bekannt ist, sehr heisse Temperaturen. Da haben wir wohl auch etwas vom Saharawind abgekommen, welcher zur Zeit u.a. die Schweiz fest im Schwitzkasten hat! Und sogar den Sonnenuntergang können wir direkt am Strand vor der Haustür (eh Campingtür) geniessen. Ja, da kommt doch etwas Urlaubsstimmung auf! So genossen wir den ersten Abend am Strand (natürlich in einem Strandkorb) - herrlich! Nur eines verwirrte uns etwas: Sahen wir doch in der Ferne einige Windräder stehen. Haben wir jetzt bereits nach einem Gläschen "Hugo" keine klare Sicht mehr? Denn Grossbritannien liegt ja doch noch etwas weiter weg... Auch diese Frage lies sich aber am nächsten Tag bei der netten Dame an der Rezeption aufklären. So hat Deutschland 2017 gut 90 km von Sylt entfernt eine Sandbank aufgeschüttet und das spektakuläre Offshore Windpark-Projekt abgeschlossen, welches für 400.000 Haushalte Strom liefert. Angeblich wurde es politisch optimal vermarktet, mit der Aussage, dass diese Windräder nur ca. zwei Mal im Jahr (je nach Wetter) von Sylt aus ersichtlich sind. Die Realität zeigt aber, dass der Windpark bei Sonnenschein meistens sichtbar ist. Wir nehmen also noch eine Schluck von unserem  "Hugo" und stossen auf die klare Sichtweise der Politiker an ;-).


Dienstag 25. Juni 2019 - alles etwas anders als gewohnt...

Dienstag war dann der bekannte Ankommens-, Haushalts- und Erkundungstag. Laut der Aussage der Campingrezeptionistin soll im Städtchen Westerland die Fussgängerzone (Friedrichstrasse) in der Shoppingmeile und die Strandpromenade bezüglich Strassenmusik sehr lukrativ sein. Also ab in die Friedrichstrasse! Da sahen wir sofort einige ideale Plätzchen zum Spielen. Und Passanten hat es da jede Menge! Die Strandpromenade ist zwar auch sehr gut besucht, da zur Zeit der "Kitesurf World Cup" am Strand von Westerland statt findet. Hier ist es für unser Vorhaben aber definitiv zu windig - so toll die Aussicht auch wäre...

Apropos Strandpromenade: Auch hier waren wir auf den ersten Blick leicht irritiert. So stand doch tatsächlich noch vor der Strandpromenade ein Eintrittshäuschen. Meli war völlig empört, dass die hier sogar für den Strandpromeandenzugang Geld verlangen! Sylt ist ja bekanntlich sehr touristisch und dementsprechend auch eher teuer für deutsche Verhältnisse - aber dies ging dann doch etwas zu weit... So fragte Meli an der Kasse nach, wieso, warum, weshalb. Zum Glück alles halb so abzockig hier! :-) An diesem Häuschen wird nur von Tagesbesuchern die örtliche Kurtaxe kassiert. Mit unserer Campingkarte kommen wir aber "gratis" zur Strandpromenade bzw. zum Strand, da wir die Kurtaxen ja bereits beim Campingplatz bezahlt haben. 

 

So sind wir also sehr auf Morgen gespannt! Nur das mit den Regeln bezüglich Strassenmusik kommt uns noch gewöhnungsbedürftig vor: So dürfen wir hier jeweils nur zur vollen Stunde für eine halbe Stunde musizieren. Wir werden sehen, wie dies von statten gehen wird...

  

Als wir nach unserer Rückkehr aus Westerland von den inzwischen 30°C komplett erschlagen zurück beim Wohnwagen sind, hat Meli die Idee des Tages: Ein kaltes Fussbad ist jetzt genau das Richtige! Nur, man hat ja nicht einfach zwei praktische Eimer zur Hand... dieses Dilemma ist aber schnell gelöst, die Abwasch-Eimer haben die perfekte Grösse und werden somit für ein erfrischendes Fussbad kurzfristig zweckentfremdet. ;-) Ah, das hat gut getan!

Als es dann abends um 21 Uhr immer noch drückend heiss ist beschliessen wir spontan noch einen Ausflug zum Strand zu machen: Ursi um etwas im Meer zu planschen, Meli für eine kurze SUP-Tour - bei den Temperaturen nehmen wir auch das Schleppen des SUPs zum doch einige Minuten Fussmarsch entfernten Strand gerne auf uns! Denn unser lauschiges Campingplätzchen liegt ganz hinten beim Camping...

Dort angekommen entdecken wir jedoch, dass gerade haufenweise kleine Quallen mit jeder Welle Richtung Strand gespült werden. Anscheinend sind diese zwar nicht gefährlich und "brennen nur etwa wie Brennesseln" - angenehm hört sich dies jedoch trotzdem nicht an! Somit bleibt es dann halt doch bei schönen Fotos, einem kurzen Faulenzen am Strand und etwas Füsse baden in den Wogen... weiter hinein trauen wir uns bei den Quallen wirklich nicht. :-P 


Mittwoch 26. Juni 2019 - Vom Winde verweht!

Wir hatten das für Sylt extrem warme Wetter wohl zu früh gelobt... Nach einer Tropennacht sind die Temperaturen um etwa 15 Grad gefallen und Windgeschwindigkeiten von bis zu 45 km/h wehen uns an unserem ersten geplanten Spieltag in Sylt um die Ohren!

 

Ursi wollte aber nicht auf ihren Morgensport verzichten und machte sich mit ihrer Fitness-Matte auf zum Strand. Nach einem kurzen Teil musste sie sich dann aber doch dem starken Sandwind beugen und den Rest des Fitnessprogramms beim Wohnwagen absolvieren... beim anschliessenden Duschen gab's dann dafür das Peeling gratis dazu, mit all dem Sand der an der Haut klebte! Und sogar eine kleine Strandmuschel hat sich in Ursi`s Ohrmuschel nieder gelassen. ;-P

 

Voller Vorfreude machen wir uns aber trotz dem windigen Wetter auf den Weg für unseren ersten Auftritt in Sylt - so einen kurzen Weg (5 Minuten Autofahrt und dann vom Parkplatz aus ebenfalls in wenigen Minuten in die Fussgängerzone) hatten wir noch nie und somit lohnte es sich sowieso, auch falls wir dann nicht soooooo lange spielen würden bei dem Wind und dieser verflixten Kälte, oder falls aufgrund des Wetters nur wenige Passanten unterwegs sind. 

 

Bezüglich Passanten erlebten wir dann aber schon bei unserer Ankunft die erste Überraschung: Die Fussgängerzone war mindestens so voll wie am Vortag und somit herrschten zumindest diesbezüglich optimale Bedingungen für unseren Auftritt! Bezüglich Wetter war es leider nicht so optimal: Auch an den von uns ausgesuchten, etwas windstilleren Plätzen wehten uns immer wieder starke Windböen an. Wir bauten trotzdem auf und vertrauten auf unsere bewährte Banner-Befestigung mit Steinen und Gummizug, welche wir optimal um einen stabilen Laternenpfahl binden konnten. Für einige Minuten bewährte sich dies wieder wunderbar, dann hielt der Banner einer starken Böe aber doch nicht mehr stand, riss sich los uns stürzte kopfüber... zum Glück knapp am daneben stehenden Velofahrer vorbei! Der Notenständer konnte dem Wind ebenfalls nicht standhalten. Wir nahmen es mit Humor, unterbrachen schlagartig unseren Song und so mussten wir also kurzfristig umbauen und unser Material etwas anders als bisher einsetzen: Banner abbauen, Notenständer so tief wie möglich einstellen und die Steine statt zur Befestigung des Banners zum Beschweren der Visitenkarten und des Gitarrenkoffers verwenden! 

Die Passanten erwiesen sich als genauso kreativ ;-) : Eine Frau, welche uns gerne nicht nur etwas Münz sondern einen 5-Euro Schein geben wollte, klemmte uns diesen kurzerhand direkt an den Notenständer!

 

Insgesamt waren wir überrascht, wie lukrativ Sylt ist, sprich wie grosszügig die Menschen hier wieder sind - in dem Masse hatten wir das bisher erst in Berlin Alt-Tegel erlebt! Lukrativ natürlich im Vergleich zu anderen Orten, an denen wir bereits gespielt haben... Das Leben als Strassenmusiker ist insgesamt auch an solchen "lohnenswerteren" Standorten hart und wir ziehen den Hut vor allen, die effektiv von solchen Berufen leben und damit sogar eine Familie durchbringen müssen!

Auch blieben (trotz des "Huddelwetters"!) wieder einige Leute stehen und wir bekamen viele nette Komplimente.

 

Ein spannendes Gespräch ergab sich auch mit einem dänischen Künstler, der in der Fussgängerzone seine selbstgemalten Bilder verkauft (und dazu noch super gut Gitarre spielt, wie wir an einem YouTube Video, das er uns von sich und seinem Kollegen zeigte sehen konnten): Angeblich ist erst ab Juli Hochsaison - und deshalb sind wohl auch noch nicht viele Strassenmusiker unterwegs! Wir hatten uns nämlich schon gewundert, dass ausser uns nur noch ein weiterer Strassenmusiker mit seinem Akkordeon unterwegs ist.  Trotzdem hat es schon sehr viele Leute hier auf Sylt - somit unser Vorteil! Wieder einmal haben wir unwissend einen super Zeitpunkt erwischt. 


Donnerstag 27. Juni 2019 - Besuch aus der Schweiz!

Über's verlängerte Wochenende kommt endlich Fricker's im letzten Jahr neu erworbene Zelt zu seinem ersten Einsatz: Ursi zieht für ein paar Tage aus dem Wohnwagen aus - es geht ab ins Zelt! Aber keine Angst, wir haben uns nicht zerstritten, so dass Ursi ausziehen müsste... ;-) Auch wenn das Zusammenleben auf so engem Raum und über so viele Wochen natürlich nicht immer nur spannungsfrei abläuft! Aber das gehört nun mal auch dazu... und bisher konnten wir all unsere "Differenzen" mit super tollen, spannenden und lehrreichen Gesprächen beilegen und so auch menschlich aus unserem Projekt soweit extrem viel lernen und gewinnen!

Nein, Melanie's Ehemann Reto kommt uns besuchen! :-) 

 

So bekommen wir auch die Gelegenheit, den Sylter Flughafen aus der Nähe zu sehen! Zuerst einmal freuen wir uns, dass wir zum Flughafen gerade mal knappe 5 Minuten fahren müssen - das hatten wir auch noch nie erlebt. Auch der Flughafen selbst ist ein absolutes Erlebnis, welche wir beide jeweils erst ein einziges Mal in ähnlicher Grössenordnung (bzw. Winzigkeit! ;-) ) erlebt hatten: Ursi auf Koh Samui und Meli auf Hawaii und den Bahamas, wo die Flughäfen ebenfalls ganz klein und unkompliziert waren und sogar hauptsächlich aus offenen Hütten bestanden! Ganz so war's hier nicht - Sylt hat immerhin ein "richtiges" Flughafengebäude. Aber das war's dann auch schon fast mit gewohntem Flughafengefühl - vom einzigen kleinen Café am Flughafen sieht man direkt auf das Rollfeld und den Haltebereich der Flugzeuge, sieht die ankommenden Personen aus nächster Nähe aussteigen und einen Empfangsbereich gibt es gar nicht, der Besuch wird direkt vor dem Gebäude unter freiem Himmel begrüsst. Zum Glück regnet es heute nicht - die Neuankömmlinge müssen nur aufpassen, dass ihnen nicht alles davon windet. Jetzt verstehen wir auch endlich diese 3-Wetter-Taff-Haarsprays! ;-)

 

Zurück auf dem Campingplatz wird bei erschwerten Bedingungen mit Windgeschwindigkeiten von um die 50 km/h das Zelt aufgebaut. Zum Glück ist dieses bis Windgeschwindigkeiten von 70 km/h getestet und ausgelegt, und steht seine Wind-Bewährungsprobe somit auch problemlos durch!


Freitag 28. Juni 2019 - Ein "Prooost" auf Sylt!

Wir nutzen natürlich die Gelegenheit von Reto's Besuch, um endlich mal jemanden zu haben der während unseren Strassenmusik-Auftritten ein paar Fotos von uns beiden zusammen machen und einige Videosequenzen aufnehmen kann! Spannend, uns endlich mal in Aktion selber sehen und hören zu können... :-)

 

Da das Wetter endlich wieder richtig schön ist, spielten wir an diesem Nachmittag fast 3 komplette Sets - es wären wohl drei ganze geworden, wenn nicht eine Angestellte des Kleidergeschäftes, vor dem wir das dritte Set spielten, herausgekommen wäre und sich beklagt hätte, dass für sie unsere Musik zu laut ist, da sie sich im Laden nicht mehr mit den Kunden unterhalten kann. Gut, wir verstehen ihre Situation: Bei diesen tollen Klamotten, muss die Kundschaft noch zum Kauf "öberschnorret werde"...;-) Kleiner Scherz! Da es sowieso gegen das Ende unseres Sets zuging, beschlossen wir deshalb, statt uns um zu platzieren grad ganz abzubrechen - so reichte es sogar gerade noch, um kurz vor Ladenschluss um 18 Uhr ein Glacé zu holen. ;-) 

Da auch der Wind für sylter Verhältnisse wieder recht schwach war, kam auch unser Banner wieder zum Einsatz. Nach einem etwas zähen Start (während der ersten drei Songs ignorierten uns alle Passanten komplett - normalerweise brechen wir dann eigentlich unser Set ab und stellen uns an einen anderen Platz) blieben dann jedoch wie schon am Mittwoch viele Leute stehen, klatschten und lasen den Banner. Es lief richtig toll! 

 

Die nächsten zwei Tage werden dann noch etwas mit dem Besuch genossen... somit war dies auch schon wieder unser letzter Auftritt in Sylt - aber einen schöneren letzten Spieltag in Sylt hätten wir uns kaum wünschen können!

 

Dies feierten wir dann am wunderbar gelegenen Strandbistro gleich mit einem Eierlikör (oder auch mehreren - den der Abend ist noch lang... ;-) )

So lernten wir an diesem lustigen Abend auch der Kitesurfer Kai von Sylt kennen. Hier nur ein paar kleine Anekdoten von diesem Abend: So lehrte uns liebe Kai den angeblichen Wandergruss aus der Schweiz: "Rumpeldipumpel, weg ist der Kumpel!" Bei jedem "Proost auf Sylt" meinte er auch ganz entgeistert: "Also Sylt müssten wir uns ganz bestimmt nicht schön trinken!" - Sylt nicht - aber vielleicht einige, welche am FKK-Strand vor uns liegen...?! :-P


Übrigens, die wohl witzigste Getränkekarte entdeckten wir bei der Sylter Kultlokal "Onkel Johnny`s Strandwirtschaft" direkt an unserem Strand. Der hausgemachte und unglaublich leckere Eierlikör ist windigst, eh wärmstens zu empfehlen! 

 

Wenn auf Sylt jemand niesen muss, sagt man nicht wie bei uns "Gesundheit" - sondern "Schönheit"! Denn wer auf dieser friesischer Insel mit dem äusserst gesunden Klima lebt ist bestimmt nicht krank ;-).

 

Auf Sylt schneit es nur sehr selten, obwohl die Temperaturen im Winter um den Gefrierpunkt wären. Alle ca. zehn Jahre kann es aber bis zu -30 bis -40 Grad werden, so dass sich auf dem Meer Eisschollen bilden. 

 

Ah ja, die Sylter müssen ihre Heizungen bereits im August wieder anfeuern. Sie stellen diese jedoch im Februar wieder ab. Nicht weil es hier bereits in den Wintermonaten wieder wärmer wird - nein, weil sich die Surfer so auf die kalte Nordsee vorbereiten. ;-)

 

Wir sagen DANKE Sylt für die unglaublich tolle Landschaft, die sandige, windige, sonnige und süüfige Erlebnisse - wir werden dich nie vergessen und kommen ganz bestimmt wieder einmal zu dir auf die Dünen-Insel.

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